

Whitepaper: Fenster erhalten lohnt sich
Fenster werden heute häufig nach rund 30 Jahren ersetzt. Neue Untersuchungen zeigen: Wer bestehende Fenster gezielt ertüchtigt, kann nicht nur Ressourcen und CO₂-Emissionen einsparen, sondern häufig auch Kosten.
Ein Fenster ist nach 30 Jahren nicht automatisch am Ende seiner Lebensdauer. Trotzdem werden bestehende Fenster bei Sanierungen häufig vollständig durch neue ersetzt. Dabei geht wertvolle Bausubstanz verloren und mit dem neuen Fenster kommen wiederum neue Materialien und entsprechende Treibhausgasemissionen ins Gebäude.
Dass es auch anders geht, zeigt das Forschungsprojekt «FenSanReuse» der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW. Untersucht wurden verschiedene Möglichkeiten, bestehende Fenster energetisch zu ertüchtigen und damit länger zu nutzen. Die Ergebnisse bilden auch die Grundlage eines neuen Whitepapers von Quadra Ligna.
Rund die Hälfte der Emissionen einsparen
Besonders interessant ist der Blick auf die grauen Emissionen. Bei einem neuen Fenster entfallen ungefähr gleich grosse Anteile auf den Rahmen und auf die Verglasung. Kann der bestehende Rahmen weiterverwendet und lediglich das Glas ersetzt werden, lassen sich deshalb gegenüber einem vollständigen Fensterersatz rund 50 Prozent der mit der Herstellung verbundenen CO₂-Emissionen einsparen.
Gleichzeitig muss der Erhalt des Rahmens energetisch kein Nachteil sein. Denn bei vielen bestehenden Fenstern sind vor allem die Verglasung und die Dichtungen die Schwachstellen. Werden diese erneuert, lässt sich die Wärmedämmung deutlich verbessern. Bei einem im Forschungsprojekt untersuchten typischen Fenster aus den 1980er-Jahren sank der Wärmedurchgangskoeffizient durch den Einbau einer Dreifachverglasung beispielsweise von Uw = 2,7 auf rund 0,88 W/m²K.
Nicht jedes Fenster braucht dasselbe
Welche Sanierung sinnvoll ist, hängt von Alter, Konstruktion und Zustand des Fensters ab. Bei älteren Holzfenstern kann beispielsweise der bestehende Rahmen aufgedoppelt werden, damit moderne Zwei-, Drei- oder Vakuumverglasungen Platz finden. Bei jüngeren Fenstern, die bereits über Isolierglas verfügen, genügt unter Umständen ein Glasersatz. Zusätzliche oder erneuerte Dichtungen verbessern zudem die Dichtigkeit.
Der Erhalt bestehender Fenster ist aber nicht nur aus ökologischer Sicht interessant. Der Vergleich über einen Zeitraum von 50 Jahren zeigt: Sowohl der Glasersatz als auch die Renovation bestehender Fenster ist in der Regel kostengünstiger als ein vollständiger Ersatz.
Gerade bei historischen Fenstern kommt ein weiterer Aspekt hinzu: ihr baukultureller Wert. Dieser lässt sich kaum in Franken oder Kilogramm CO₂ ausdrücken. Bleibt das Original erhalten, bleiben auch Proportionen, Profile, Beschläge und damit ein Stück der architektonischen Identität eines Gebäudes bestehen.
100 Jahre und kein Ende in Sicht
Wie weit sich die Lebensdauer verlängern lässt, zeigt die Praxis. Viele von Quadra Ligna sanierte Fenster sind bereits rund 100 Jahre alt. Nach einer fachgerechten Ertüchtigung können sie weitere Jahrzehnte genutzt werden. Und eine Renovation muss keineswegs die letzte sein: Verglasungen, Dichtungen oder witterungsexponierte Bauteile lassen sich später erneut ersetzen und an neue technische Anforderungen anpassen.
Damit wird das Fenster zu einem guten Beispiel für Ressourceneffizienz am Gebäude. Diesem Prinzip folgt Quadra Ligna auch in der täglichen Arbeit: Was noch funktioniert, wird erhalten. Was den heutigen Anforderungen nicht mehr genügt, wird gezielt verbessert.
Mehr dazu: Das Whitepaper «Fenster sanieren: CO₂-Bilanzen und Kosten verschiedener Verfahren» von Dr. Jochen Ganz zeigt die untersuchten Varianten und ihre ökologischen und wirtschaftlichen Auswirkungen im Detail.